Geschichte des Projektes


Das Wohnprojekt Gerthe (WPG) entstand auf Grund der herrschenden Wohnungsnot der Studierenden in den 80er Jahren durch eine gemeinsame Initiative von Studenten/-innen und dem den ASTA der Ruhr-Universität-Bochum.

Eine unscheinbare Fließtextanzeige im Immobilienteil einer Lokalzeitung gab den Anstoß:

Wohnheim in Bochum Gerthe, Stadtgrenze Castrop-Rauxel,
bestehend aus 8 Unterkunftshäusern und 1 Verwaltungshaus.
188 Bettplätze, 14 Küchen, sofort zu vermieten. Angebote an
Eschweiler Bergwerksverein AG. Grundstücksabteilung
Ruhr. Lothringer Str. 49/51, 4630 Bochum 4

Wohnungssuchende Student/innen entdeckten diese Anzeige und griffen dieses einmalige Angebot
umgehend auf. Sie gründeten den als gemeinnützig anerkannten Verein „Studentisches Wohnen und Leben e.V.“ und schlossen einen zunächst auf 10 Jahre befristeten Pachtvertrag ab.
Es sollte eine alternative Wohnform entstehen, mit den Zielen:

  • preisgünstiger Wohnraum für Studenten/innen
  • gemeinschaftliches und selbstbestimmtes Wohnen und Leben
  • größtmögliche Selbstverwaltung
  • Steigerung der Lebensqualität durch individuelle Gestaltung von Räumen und Freiflächen
  • Erprobung von alternativen und ökologischen Lebensweisen

Im Mai 1983 konnte mit den Renovierungsarbeiten begonnen werden. Der Umfang der Arbeiten war unvorhersehbar. Es musste von Grund auf renoviert und saniert werden: neue Küchen und Bäder, Decken und Böden, neue Wasser-, Heizungs- und Elektroinstalation und vieles mehr.

Die meisten Bewohner/-innen hatten jedoch noch nie zuvor in diesem Ausmaß handwerklich gearbeitet. Das Projekt war gleichzeitig mit vergleichsweise geringen Finanzmitteln ausgestattet und konnte somit nur durch einen sehr hohen Anteil an Eigenarbeit realisiert werden. Es musste fast alles in Eigenarbeit geleistet werden. Anderthalb Jahre später war trotz aller Härten das meiste vollbracht. Es entstanden 2500qm Wohnraum für ca. 75 Menschen in 17 Wohngruppen unterschiedlicher Größe und Struktur.

UmbauStudi1

Im Rahmen des „Programm zur ökologischen Erneuerung des Ruhrgebietes“ wurde 1988 dem WPG
10.570,- DM Zuschuss gewährt. Hiermit wurde eine Trockenmauer mit artgerechtem Bewuchs angelegt,
Obstgehölze und Beerensträucher gepflanzt und Nistkästen aufgehängt.
abgedichteten Kuhle stehen Feuchtwiesenpflanzen. Ein wunderschön angelegter Teich wurde sofort von
Fröschen, Kröten, Molchen, Klein- und Großlibellen besiedelt.
Im bewussten Umgang mit Energie und Umwelt wurde 1987 ein Brennwertkessel ins vorhandene
Heizungssystem integriert, der den Energieverbrauch minimiert. Die schlecht isolierten, überirdischen Heizungszuleitungen wurden 1989 durch energieeinsparende,
unterirdische Rohre ersetzt.

Das Wohnprojekt geriet in den 90er Jahren immer wieder unter den Vorbehalt einer notwendigen
Bodensanierung der durch die industriellen Vornutzung belasteten Fläche. Die Gefahr zog herauf, dass
das Wohnprojekt ob dieser unsicheren Perspektive seinem Ende entgegenging.
Das Wohnprojekt und die Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum (EGR), die als heutige Eigentümerin das Gesamtgelände der ehemaligen Zeche Lothringen und darin auch das Grundstück des Wohnprojekts
einer dauerhaften Wiedernutzung zuführen soll, führten über Jahre Gespräche, um die Interessen beider
Seiten im Hinblick auf eine Lösung abzugleichen.
Diese Verhandlungen drohten Ende 2000 endgültig zu scheitern. Im Frühjahr 2001 wandten sie sich an das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport (MSWKS) des Landes NRW mit der Bitte, den weiteren Prozess zu moderieren im Hinblick auf eine Gesamtlösung sowohl zur dauerhaften Bodensanierung als auch zur nachhaltigen Weiterentwicklung und Stabilisierung des Wohnprojekts. Dies
wird seitdem mit allen Beteiligten unter dem Dach des neuen Landesprogrammes „Initiative ergreifen“ durch das Büro !startklar projekt.kommunikation betrieben. Ergebnis des Moderationsverfahrens war die Auslobung des Gutachterverfahrens mit der Bündelung folgender Bausteine zu einem Gesamtkonzept:

  • EGR und Wohnprojekt einigen sich auf einen Vorschlag zur Bodensanierung, der die bestehenden
    Wohngebäude erhält.
  • Die verbleibenden Bestandswohnungen sollen behutsam weiter entwickelt sowie technisch und von
    der Ausstattung her nach und nach verbessert werden.
  • Zwei ehemalige Kauengebäude sollen wohnergänzend von Interessenten aus dem Wohnprojekt
    ausgebaut und unter dem Moto „Kultur-Nachbarschaft-Gesundheit“ umgenutzt werden.

Das Gutachterverfahren endete im Frühjahr 2002.
Für die Trägerschaft des Projekts wurde 2004 eine Genossenschaft gegründet, die bis heute besteht.